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  • Jule

Zwillinge stillen

Zugegebenermaßen, das Thema Stillen meiner Zwillinge ist nicht eines meiner Lieblingsthemen. Und dennoch möchte ich ein bisschen darüber schreiben, um andere Zwillingsmamas zu informieren und um Mut zu machen. Aber auch Zwillingspapas dürfen gern weiterlesen. Vielleicht hilft es beim besseren Verständnis der Partnerin in dieser besonderen Zeit.


Zwillinge stillen kann doch jeder, oder?!?

Ich habe mir vor der Geburt überhaupt keine Gedanken darüber gemacht, wie es werden würde meine Zwillinge zu stillen. Schließlich ist dies etwas total natürliches und selbstverständliches, also werde ich es auch so machen

Leider weit gefehlt. Stillen, egal ob ein oder ob zwei Kinder, ist leider alles andere als selbstverständlich und es gibt keine Garantie, dass es funktionieren wird.

Bei mir fingen die Schwierigkeiten mit dem Stillen der Zwillinge bereits im Krankenhaus an. Da ich noch keinen Milcheinschuss hatte, wurden den beiden immer Fläschchen mit Pre Nahrung gereicht, welche sie auch gern annahmen. Natürlich habe ich immer wieder probiert die beiden zu stillen, um dann letztendlich doch auf die Fläschchen zurück zu greifen. Klar, das war für mich als frischgebackene Mama auch sehr praktisch, einfach am Tresen bei den Krankenschwestern zwei bereits fertig gemischte und perfekt temperierte Fläschchen zu „bestellen“. Leider wurde mir im

Krankenhaus nicht so richtig gezeigt, wie ich die Zwillinge am besten stillen könnte. Auch um ein Rezept für eine elektrische Milchpumpe musste ich kämpfen, obwohl Mehrlingsmamas diese auf Rezept kostenlos in der Apotheke ausleihen können. Die Krankenschwestern meinten zu mir, dass es für mich sicherlich zu viel werden würde, einerseits die Kinder anzulegen, Fläschchen zu geben und andererseits abzupumpen. Dies wollte ich aber gern selber entscheiden. Dazu später mehr.

Milchpumpe zur Unterstützung - Freund oder Feind?

Zu Hause mit den Zwillingen angekommen war es eine der ersten Fragen, welche ich meiner Hebamme stellt, wie ich die Zwillinge am besten anlegen konnte um sie zu stillen. Leider hatte sie bisher noch keine Erfahrungen mit Zwillingen. Daher gab sie mir als Tipp, es weiter zu versuchen die beiden (einzeln) anzulegen, dabei immer die Brüste zu wechseln, und anschließend mit der Pre Nahrung zu füttern. Außerdem sollte ich in regelmäßigen Abständen mehrmals am Tag die Milchpumpe benutzen und abpumpen. Voll motiviert machte ich mich den ersten Tag ans Werk und musste schnell feststellen - an der Milchpumpe angeschlossen zu sein empfinde ich sehr befremdlich und irgendwie auch demütigend. Statt dass meine beiden Babys an den Brustwarzen nuckeln, saugt diese Pumpe, dieser Fremdkörper sich daran fest. Ich kam mir vor wie eine Milchkuh - nur dass bei mir trotz mehrfacher Pumpversuche die Milch nicht einfach so floss. Sicherlich ist dies auch eine mentale Sache auf die man sich einlassen muss, aber bei aller Liebe - dies funktionierte bei mir einfach nicht. Es waren regelmäßig nur wenige Centiliter in den Fläschchen. Trotzdem behandelte ich diese abgepumpte Milch wie ein Heiligtum und fütterte sie den Jungs mit Freude. Nachts abzupumpen weigerte ich mich jedoch, schließlich wollte ich mich nicht um die wenigen Stunden Schlaf bringen welche die Zwillinge mir als froschgebackene Zwillingsmama gönnen.


Hilfe suchen beim Stillen der Zwillinge

Aufgrund meines zwiegespaltenem Verhältnis zur Milchpumpe war mir klar: So geht es nicht weiter. Ich suchte mir Hilfe bei einer lokalen Stillgruppe. Ich wollte nicht einsehen, dass alle andern ihre kleinen Würmchen ohne Schwierigkeiten immer und überall stillen konnten, und die Kleinen danach zufrieden und satt waren. Darin bestand nämlich mein eigentliches Problem, meine Milch war zwar da, aber es war nie genug dass sie satt wurden. In der Stillgruppe wurde mir dann endlich eine Stillposition gezeigt wie ich beide gleichzeitig stillen konnte. Dies empfand ich als wesentlich angenehmer, allerdings benötigte ich dazu immer eine weitere Person um das zweite Baby ordentlich auf das Kissen zu legen.


Zwillinge stillen - eine Familienangelegenheit

Letztendlich haben die Zwillinge und ich das Stillen vier Monate lang durchgehalten.

Vier Monate, in denen ich dreimal am Tag zu regelmäßigen Zeiten beide im Tandem stillte, und direkt im Anschluss das Fläschchen reichte. Vier Monate, in denen ich zusätzlich zweimal am Tag Milch abpumpte, welche dann wieder verfüttert wurde. Vier Monate, in denen die übrigen Mahlzeiten als klassischer Pre Nahrung gereicht wurden. Vier Monate, welche für alle Beteiligten sehr anstrengend und stressig waren damit die Kinder zur richtigen Uhrzeit die richtige Mahlzeit bekommen: Soll frische Muttermilch, abgepumpte Muttermilch oder Fläschchennahrung gefüttert werden? Sind meine Brüste bereit zum Stillen, wenn die Zwillinge Hunger haben? Oder auch: Kann ich die Zwillinge bitte jetzt stillen, bevor mir die ganze Milch überflüssigerweise in die Stilleinlage im BH fließt? Ist mein Mann da, der mich beim richtigen Positionieren der Babys zum Tandemstillen unterstützen kann? Kann die Oma sich um die Kinder kümmern während ich an der Milchpumpe fest hänge?


Vom Wohlbefinden der Zwillingsmama profitieren die Zwillinge

Nach den vier Monaten habe ich entschieden, dass es nun genug ist. Den Kindern soviel Muttermilch wie nur möglich zukommen zu lassen - das war stets mein Ziel. Sicherlich habe ich dies in den Monaten auch erreicht. Aber zu welchem Preis? Ständig habe ich mich selber die ganze Zeit unter Druck gesetzt, dass es klappen muss mit meiner Milchproduktion. Letztendlich hat dann auch mein Verstand eingesehen, was mein Körper schon lange umgesetzt hatte: So funktioniert es nicht! Meine Zwillinge haben daraufhin nur noch die Fläschchen bekommen, und schwupps - entspannte sich der Alltag für uns vier. Versteht mich bitte nicht falsch, dies ist kein Plädoyer für Flaschennahrung und gegen das Stillen!

Oh nein. Dies ist ein Manifest für die Selbstliebe der Mama. Es bringt nichts, es erzwingen zu wollen. Und wenn es funktioniert, umso besser. In unserer Krabbelgruppe für Zwillinge durfte ich einige Zwillingsmamas erleben, welche ihre Zwillinge völlig selbstverständlich und ausschließlich gestillt haben. Damals war ich immer neidisch auf diese Zwillingsmamas. Doch mittlerweile habe ich meinen Frieden mit dem Thema geschlossen und erfreue mich einfach an dem tollen Wachstum und der guten Gesundheit meiner beiden Babys.

Rückblickend würde ich nur eine Sache anders machen: Ich würde bereits vorher eine Stillgruppe aufsuchen bzw. mich bereits in der Schwangerschaft mit der Thematik Stillen beschäftigen. Hilfreich wäre es auch gewesen, solche Erfahrungsberichte anzunehmen, dass Stillen eben nicht selbstverständlich ist und nicht immer klappen muss. Ob mit Muttermilch oder mit Fläschchen-Nahrung: Wenn es der Mama gut geht geht es auch den Zwillingen gut.

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