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  • Franzi

Schlaft, Kinderlein schlaft – die Schlafsituation unserer Zwillinge

Das Thema Schlaf von Babys und Kleinkindern ist ein reizendes – im wahrsten Sinne des Wortes. Ganze Kapitel in Baby-Ratgebern und Kategorien in Online-Foren lassen sich damit füllen. Dabei ist es so individuell wie jedes Kind selbst - da machen Zwillinge keine Ausnahme. Unser Weg bestand vor allem aus einem: Veränderung.


(Zwillings)Eltern unter sich


Meinen ersten freien Abend als Mama von Zwillingen verbrachte ich auf einer Geburtstagsfeier: nicht etwa als charmante Partyqueen mit dem ein oder anderen Sektchen in der Hand (die Milchbar unter meinem Pullover hatte Vorrang) oder eloquent die aktuelle kulturpolitische Lage diskutierend (es gibt noch andere Themen neben Windeln und Beikosteinführung?!), sondern chronisch übermüdet auf das mitternächtliche Anstoßen wartend und mit einer anderen frischgebackenen Mama die obligatorischen Babythemen bearbeitend. Ein zentrales war an diesem Abend die Schlafsituation – wie, wo, wann schlafen die Kleinen abends ein.

Und auch sonst ist dieses Thema scheinbar sehr beliebt – eine Art Eisbrecher sozusagen - nicht so unappetitlich wie der letzte Windelinhalt aber trotzdem eine bestimmte, wichtige Sache den Alltag mit Baby betreffend: den eigenen Schlaf. Der spielt nämlich plötzlich eine so große Rolle, dass einem durchgemachte Festival-Wochenenden wie aus einer anderen Welt vorkommen und das Jammern über fehlende Nachtruhe im Gespräch mit anderen jungen Eltern ungemein verbindend wirkt (Als Zwillingseltern wird man an dieser Stelle meist mit jeder Menge Mitleid übergossen und kann in den Augen der anderen eine gewisse Erleichterung aufblitzen sehen, nicht selbst „betroffen“ zu sein). Dabei werden unzählige Arten geschildert, seine Zwerge in den Schlaf zu begleiten, und fast genauso viele verschiedene Schilderungen gibt es zum Ort des Geschehens: vom Baby, das seit der Geburt im eigene Zimmer schläft bis zum 11-Jährigen, der das Familienbett nie verlassen hat, habe ich schon einiges gehört.

Anfangs gemeinsam...

Wir liegen da irgendwo dazwischen und können mittlerweile auf eine regelrechte Schlafwanderung zurückblicken: Nach der Geburt im Krankenhaus lagen die zwei Würmchen

zusammen – so kannten sie es ja - im Wärmebettchen. Zuhause haben wir das beibehalten und beide wieder gemeinsam untergebracht. Da uns ein normales Beistellbett (und auch die Zwillingsvariante) auf Dauer zu klein erschien, musste eine andere Lösung her. Nach einer kniffligen Bastelaktion, in der wir einem normalen Kinderbett ein Seitenteil entnommen und es sicher mit dem Elternbett verbunden haben, konnten beide zusammen direkt bei Mama schlafen. Da sie anfangs nachts gestillt wurden, kam für mich auch nur infrage, sie quasi in „Griffweite“ liegen zu haben. Auch hatte ich mich der schönen Vorstellung hingeggeben, kuschelnd mit einem (oder beiden) im Arm einzuschlafen – leider war (und ist) mein Bedürfnis nach Körperkontakt wohl größer als das der Jungs...c´est la vie.


...später getrennt


Irgendwann wurde es den beiden aber zu eng in einem Bett und wir haben an der Bettseite des Papas nochmal die gleiche Konstruktion befestigt. Durch diese Aufteilung und die Tatsache, dass wir mittlerweile nachts vom Stillen auf Fläschchen umgestiegen waren, wurden die Karten hinsichtlich der „Zuständigkeiten“ in der Nacht nochmal neu gemischt. Jetzt war ich nicht mehr allein dafür verantwortlich den nächtlichen Hunger von zwei Babys zu stillen, sondern jeder hatte „seinen Kandidaten“ auf seiner Seite des Bettes liegen.

Leider ging das nicht lange gut: sie wurden langsam agiler und rollten sich nachts oder auch beim Schläfchen am Tag aus dem Bett und wir fürchteten einen Sturz auf den Boden. So wanderten die Seitenteile wieder an die Kinderbetten, aber auch das war nur von kurzer Dauer: nachts mehrmals zwei 8-Kilo-Klöpschen aus dem Liegen über das Gitter ins eigene Bett zu heben, war besonders für mich ein schweres Unterfangen und so wurden die beiden Bettchen ein Stück vom Elternbett weg an die Wand unseres Schlafzimmers geschoben. Ich konnte nun (ja, inzwischen übernahm wieder ich die Raubtierfütterung...jedenfalls unter der Woche, da der Papa tagsüber im Büro doch sehr mit dem Schlafentzug zu kämpfen hatte) beim ersten Anzeichen von Hunger fix ins benachbarte Gästebad schlüpfen, dort an der vorbereiteten Milchtheke in wenigen Handgriffen ein Fläschchen zubereiten, mich mit dem hungrigen Zwerg ins Bett kuscheln und im Anschluss ein zufrieden glucksendes Bündel zurück auf sein Laken legen. Dazu muss ich allerdings sagen, dass die beiden relativ pflegeleicht waren: ich brauchte mich schon etwa drei Monaten nach der Geburt abends zum Einschlafen nicht mehr dazu legen, nächtliches Windelwechseln war nur in den ersten Wochen nötig und nach dem Stillen/Fläschchen haben sie sich direkt wieder ins Traumland verabschiedet – ich weiß, das kann auch ganz anders aussehen, will ich mir mit Zwillingen aber gar nicht erst vorstellen...


Zwillinge im eigenen Zimmer


Mit etwa 10-11 Monaten wollten die Zwerge nachts nichts mehr trinken und so musste ich nur gelegentlich aufstehen, weil der Schnuller nicht auffindbar war oder nach einem aufwühlendem Traum kurz Mamas streichelnde Hand gebraucht wurde. In dieser Zeit machte ich auch eine Entdeckung: In den Nächten, die Papa manchmal beruflich außerhalb verbrachte, schliefen die Jungs viel ruhiger und manchmal sogar durch (zumindest einer der beiden). Sie schienen sich also an Papas Anwesenheit zu stören (oder jedenfalls an dessen Schlafgeräuschen...lautes Wälzen, Umdrehen, gelegentlich ein Schnarcher). So überlegten wir, ob wir den Umzug der Knirpse ins eigene, gemeinsame Zimmer wagen sollten und setzten das kurz vorm ersten Geburtstag in die Tat um. Vorher belas ich mich zu unterschiedlichen Methoden, den Übergang für die Kleinen so sanft wie möglich zu machen – war aber glücklicherweise gar nicht nötig: ein Mittagsschlaf in der neuen Umgebung und abends klappte dann das Einschlafen dort schon problemlos. Ein positiver Nebeneffekt: wir hatten plötzlich wieder mehr Paarzeit. Zu den 2-3 gemeinsamen Stunden am Abend kam nun die ganze Nacht hinzu– erst jetzt merkte ich so richtig, wie ich das vermisst hatte. Natürlich hatten wir nachts manchmal einen kleinen Gast bei uns im Bett, was auf Dauer auf einer 1,60er Matratze doch recht eng wurde. Die Lösung: wir räumten um und verbreiterten unser Bett auf knapp 2,50m – herrlich, wie fanden wir vorher ZU ZWEIT auf der winzigen Matratze nur Platz?! Dieses Arrangement ging fast eineinhalb Jahre gut: Nach dem Abendritual, das aus Waschen & Zähneputzen, gemeinsames Buch-Anschauen, dem Anschalten eines beruhigenden Sternenhimmels und vielleicht noch 1-2 mal ins Zimmer kommen bestand, schliefen sie zügig und ohne Quengeln ein. Nachts schlief dann meist einer komplett durch und der andere verlangte das ein oder andere Mal nach seinem Schnuller, hatte Durst oder wollte einfach nur mit zu uns ins „große Bett“ kommen (was ich nebenbei bemerkt meist sehr genoss bzw. immer noch genieße, da beide nachts ein klein wenig kuscheliger sind als tagsüber...).


Mit Zwillingen wird es (auch nachts) nie langweilig...


Jetzt ist scheinbar wieder die Zeit für Veränderungen gekommen. Die Jungs können mittlerweile ohne Probleme easy aus ihrem Gitterbett klettern und ich habe Angst vor einem Versuch im Schlafsack mit anschließendem Sturz. Also überlegen wir, ob es langsam an der Zeit ist, die Betten zu öffnen – vorerst mit Rausfallschutz oder Matratze davor. Wir scheuen diesen Schritt aber zugegebenermaßen etwas. Seit ein paar Wochen sind beide abends so aufgewühlt, dass sie nicht selten 1,5 - 2 Stunden zum Einschlafen brauchen. Zum Abendritual kommt jetzt noch der Mond zu Besuch, ich singe La-Le-Lu bis mir der Kiefer wehtut, wir sprechen kurz über den Tag und beide wollen auf ganz bestimmte Weise in den Schlaf verabschiedet werden – meistens mach ich das alles gern...ich weiß, sie haben nun viel mehr zu verarbeiten und brauchen das jetzt einfach. Aber irgendwie will das nicht mit dem Vorhaben zusammen passen, die Seitenteile aus den Betten zu montieren – nie im Leben werden die beiden ruhig liegenbleiben und den Versuchungen des Kinderzimmers und der angelehnten Tür zu Mama und Papa widerstehen können! Auch wird es spannend, was das ganze an der Interaktion zwischen den Jungs ändern wird...im Moment „erzählen“ sie sich abends noch viel (dem Gequassel aus dem Babyfon zuzuhören ist manchmal spannender als die aktuelle Netflix-Serie). Was werden sie aber tun, wenn sie kein Gitter mehr daran hindert, dem Bruder einen Besuch abzustatten? Bei der Tagesmutter klappt das schon seit ein paar Wochen ganz gut, aber hier? Ohne den „Gruppenzwang“ der anderen Zwerge? Hmmm... Ich weiß zwar, dass wir früher oder später diesen Schritt gehen müssen, aber vielleicht lässt er sich ja noch ein klitzekleines Bisschen hinauszögern...? Langweilig wird es jedenfalls nicht – ich denk bspw. an den Wechsel zu Hochbetten in (hoffentlich) ferner Zukunft - und weiß: auf der nächsten Party (so das wieder möglich ist) werd ich zum Thema Schlaf auch wieder meinen Senf dazu geben können – und mich danach entspannt meinem Sekt und der aktuellen kulturpolitischen Lage widmen...


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